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Autor Thema: 25863 v.6.1.43 Stab II Pz. Gren.Rgt.69 über Anreise u. 1. Tage in Afrika  (Gelesen 94 mal)

Offline hw33175

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Hallo!
Hier ein Fp. Brief von der Fp. Nr.: 25863 v. 6.1.43 „b“ des Soldaten C. = Stab II Pz. Gren. Rgt. 69 / U.: 10. Pz. Div. / 5. Pz. Armee / Afrika / Tunis

Afrika, den 6.Jan.1943
.. Heute will ich Euch nun mal ausführlicher als Bisher als bisher erzählen, wie es mir in letzter Zeit ergangen ist.
Wie Ihr bereits wißt, habe ich am 28. Dez. zum ersten Mal den afrikanischen Boden getreten. Am frühen Morgen sind wir weggeflogen und nach etwa vier Stunden in Bizerta gelandet.
Wir waren alle froh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Die Fliegerei ist ja ganz schön, aber wenn man es nichts gewohnt ist, ist es ein ziemlich einseitiges Vergnügen.
Wenn man am besten dran ist und die Gegend unter sich bewundert, kommt ein Luftloch und die Maschine sackt auf einen Schlag ein paar Meter weg, daß man fast das Gefühl hat, der Magen kommt einem zu Halse raus. Dann geht es wieder in die Höhe, daß einem alles in die Hose fliegt. Beim nächsten Luftloch sackt der Apparat wieder weg und die Gedärme kommen fast zum Hals heraus. So geht es die ganze Zeit fort und je nach dem dreht das einen früher,
dem anderen später den Magen um. Mir ist es auch zweimal am höchsten gestanden, aber ich sagte mir immer, Brechen kommt gar nicht in Frage. Dann ist es jedesmal vorüber gegangen.
Nach der Ankunft wurden wir in eine französische Kaserne gewiesen, die fast leer war und wo wie auf unseren Dampfe warten sollten. Gleich am anderen Tag erfuhren wir, wie es damit stand. Wir wären alle am liebsten an den Wänden hoch gegangen, aber was half´s, hin ist hin, wir konnten nichts machen. Wir erzählten uns gegenseitig den ganzen Tag, was wir in Italien noch alles an den Wagen gearbeitet hatten und wieviel Zeit wir hätten sparen können. Jede Stunde tat uns leid, die wir dazu verwendet hatten, die Kästen in Schuß zu bringen. Nun war ja doch alles umsonst gewesen. Der Spaß war uns schon verdorben und wir sahen nicht gerade rosig für die nächsten Wochen. Ohne Fahrzeug ist es nicht schön, in der Welt herum zu schirren. So suchten wir uns eben eine Fahrgelegenheit, schnappten unsere übergebliebenen Klamotten und machten uns auf den Weg zu unserem Haufen. Die sperrten natürlich auch Maul und Augen auf, als wir so kläglich daherkamen und ihnen den Stand der Dinge klar machten. Am 30. Sind wir zu unserem Haufen gekommen. Am alten Jahresabend wurde gleich eine wüste Sauferei arrangiert. Ich machte natürlich nicht mit. Ich hatte abends von 6-8.00 h Wache und die beiden ersten Stunden des neuen Jahres auch. Um 01.00 h kamen die ersten wackelnden  Gestalten heraus um sich irgendwo in die Gegend zu stellen und den Hals zu strecken. Das war nicht gerade eierhebender Anblick in der ersten Stunde des Jahres.
Am Neujahr haben wir uns in einer zweiten Farm, die unbewohnt war, niedergelassen. Das heißt, nur ein Teil von uns. Im ersten Quartier war es mit der Zeit des Guten zu viel geworden. Alle paar Tage kam ein Schub und zuletzt lagen wir übereinander wie die Filzläuse. Hier haben wir jetzt schön Platz und sind 2 km weg vom gesamten Haufen.
Wir liegen auf Stroh auf dem Boden, aber man schläft prima. So am 2. Jan. war Feldgottesdienst vom katholischen Pfarrer und am Sonntag bekam ich schon wieder einen Wagen. Es war also alles nur halb so schlimm als wie es uns anfangs vorgestellten und wir sind froh, daß wir wieder etwas fahrbares unter und haben. Es ist zwar ein wenig sonderbar zum Ansehen, aber die Hauptsache ist doch, daß es fährt. Es ist immer noch besser, man kann schlecht fahren, als man muß laufen. Ob wir diese Fahrzeuge lange haben, weiß ich nicht.
Wenn wir sie wieder abgeben müssen, würden wir bald andere kriegen.
Gestern war ich in einem Städtchen in der Nähe, wo kurz bevor wir ankamen eine Panzerschlacht stattfand und die Amerikaner schwer unter Druck gesetzt wurden. Da sieht es verheerend aus. An jeder Ecke steht ein zusammengeschossener Panzer oder Kraftwagen. Die Amerikaner haben die reinsten Blechkisten als Panzer. Es waren allerdings nur leichte und so schlägt jede Gewehrkugel durch. Als die Deutschen kamen, haben sie alles im Stich gelassen und sind über die Berge. Ganze Flakbatterien mit samt der Munition stehen dort. Teilweise steckten in den Geschützen noch die vollen Magazine. Wann da im Frühjahr die deutschen Truppen mal losschlagen, fliegt der Amerikaner ins Meer, schneller als er hereinkam.
Nun will ich hier heute langsam Schluß machen. Es ist gleich Zeit zum Mittagessen. Mir geht es tadellos. Ich fühle mich wieder wohl, seit ich wieder einen Wagen habe. Jeden Tag esse ich so und so viele Orangen oder Mandarinen. Auch Datteln habe ich schon gegessen. Wenn Ihr daheim nur einen Teil davon hättet, aber ich kann nichts schicken. Zwischen Afrika und Europa gehen soviel ich weiß nicht einmal 100 Gr. Päckchen. Das Wetter ist gegenwärtig ziemlich kalt, etwa sie bei uns im April, mal Regen, mal Sonnenschein. Dann geht aber immer ein kalter Wind. Wasser haben wir bis jetzt genug, aber zum Trinken ist es nichts, es ist etwas salzig. Ich habe mir das Kaffeetrinken auch allmählich abgewöhnt. Der Kaffee hat so einen widerlichen Geschmack von dem Salzwasser. Nun sind alle vielmals herzlich gegrüßt von Eurem Fritz.

HW33175

 

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