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Autor Thema: Sturmdivision Rhodos 1943-1944  (Gelesen 206 mal)

Offline Kaantastic

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Sturmdivision Rhodos 1943-1944
« am: 24. Oktober 2023, 23:27:58 »
Liebe Community,
Ich arbeite an einem Filmprojekt über die Geschehnisse auf Rhodos zwischen 1943-44.
Seit 1943 war die Wehrmacht auf der mit der Sturmdivision unter Führung von Generalleutnant Ulrich Kleemann.
Auch wenn unser Fokus auf der Zivilbevölkerung liegt, würde ich gerne mehr erfahren über die Soldaten der Wehrmacht. Die Sturm Division setzte sich zusammen aus einem Strafbataillon. Gibt es Feldpost von Soldaten aus Rhodos? Wie haben die sich die Zeit  vertrieben, wie sah deren Unterhaltungsprogramm aus, Beziehungen zu der Zivilbevölkerung, Sorgen und Ängste?
Es gab auch einige Wehrmachtssoldaten die nach Marmaris in die Türkei geflohen sind.

Für jede Hilfe wäre ich sehr dankbar.

Gruß,
Kaantastic

Offline Bodo35

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Re: Sturmdivision Rhodos 1943-1944
« Antwort #1 am: 26. Oktober 2023, 20:54:13 »
Ich schau in den nächsten Tagen mal nach. Die Sturmdivision Rhodos ist ja auch mit der Geschichte der Brandenburger verbunden. Hier mal zwei Urkunden eines Angehörigen der Küstenjäger Brandenburger auf Rhodos.

Gruß Bodo35
Sammelgebiete: Alle über die Monsun U-Boote und Funknachrichtenkarten aus eingeschlossenen Atlantik-Festungen. Desweiteren gute Kriegsgefangenenpost aus allen Gewahrsamsländern.

Offline Manfred

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Re: Sturmdivision Rhodos 1943-1944
« Antwort #2 am: 26. Oktober 2023, 22:16:50 »
Hallo Kaantastic

Hier zwei Briefe eines Obergefreiten mit Feldpostnummer 32021, 4. Kompanie Sturmbrigade Rhodos, gesendet nach Mainz.

Der erste Brief mit Stempel vom 19. September 1944, geschrieben am 16. September.

Inhalt:
„…Nach langen Wirren bin ich endlich wieder bei meiner alten Einheit, die inzwischen nachgekommen ist, gelandet. Wir sind hier im Einsatz gegen Banden, Rabatz ist hier überall, sogar in A. Naya?, ist ja auch weiter gar nicht verwunderlich, die Festung ist ja gross genug und zum Teil sprechen ja auch Tatsachen. Wie geht es Dir in Mainz, steht die Leibnitzstr. eigentlich noch? Heute ist ja vorne wie hinten der gleiche Salat. Auch an meinem Geburtstag, den wir mit etwas Alkohol feierten, wurden wir durch laufende Bombenteppiche etwas gestört, allein sie hatten damit weder militärisch noch moralisch einen Erfolg, denn sie treffen fast nichts und unsere Feier ging in der gleichen Stimmung weiter. Wenn das so weitergeht, sind sie im Westen ja bald in meiner Heimatstadt, hier muss mal etwas geschehen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen was, man wird mit der Zeit ziemlich apathisch. Nachdem ich ständig meine Feldpostnummer wechselte, habe ich nun den wenig angenehmen Nachteil, dass ich ewig keine Post erhalte, alles wird umgeleitet und erhält dadurch riesige Verspätung, es macht bald keinen Spass mehr. Für heute nun zum Schluss, beachte bitte meine neue Feldpostnummer, das heisst eigentlich ist es ja die alte…“

Der zweite Brief, geschrieben am 28. September 1944, mit stummem Stempel vom 17. Oktober als Unterwegsentwertung und Briefstempel mit Feldpostnummer L 32592, Fliegerhorst-Kommandantur A 106/XVII in Athen Tatoi bzw. Klagenfurt

Inhalt:
„…Nur kurz einige Zeilen, bevor die Postverbindung ganz abreisst, was ja nun da auch hier der Tommy angekommen ist, nicht mehr allzu lange ausbleiben wird. Bei uns ist allerhand Rabatz, bedauerlicherweise beisst dabei manch guter Kamerad ins Grass, aber das ist eben der Krieg. Ich kann wohl sagen, dass ich bisher mächtig Schwein hatte, es zischte des Öfteren schon verdammt nah vorbei, doch man hat sich schon daran gewöhnt und muss eben „Schwein“ haben. Dazwischen sind wieder ein paar Ruhetage, in schönen Villen mit Klubsessel, Radio und allem Komfort untergebracht, Verpflegung gut, Zigaretten, Spirituosen, alles reichlich vorhanden, da die Lager … usw.. Du kannst Dir ja als alter Weltkriegsteilnehmer das alles bestens vorstellen. Was ist bei Euch los, zieht Ihr nicht bald um, wenn das so weitergeht. Warst Du zur Ernte in Wü. oder konntest Du nicht weg? Leider habe ich von zuhause schon ewig lange keine Post mehr, hoffentlich kommt bald mal ein Lebenszeichen…“

Grüsse

Offline hw33175

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Fp. Nr.: 26560A = Stab Pz. Aufkl. Abt. 999 / U.: Sturmdivison Rhodos
« Antwort #3 am: 27. Oktober 2023, 22:08:22 »
Hallo!
Hier die Feldpostbriefe des Soldaten H. Sch. der Fp. Nr.: 26560 A und E = Stab u. Einh. Pz. Aufkl. Abt. 999 / U.: Sturmdivision Rhodos (Bewährungstruppe) an seine Familie ( ? im Text steht für nicht lesbares Wort)
Inhalt:   O. U., 6.6.43
Liebe Eltern!
Heut ist Sonntag u. zwar ein warmer. Den ersten Gruß sollt Ihr heute von meinem neuen Standort erhalten. Liese habe ich nun schon 2-mal geschrieben. Heute seid Ihr an der Reihe. Gestern Abend hab ich Liese noch bei Kerzenlicht u. auf dem Fußboden geschrieben. In unserer Unterkunft sind nämlich keine Tische und Stühle u. kein elektrisches Licht. Jetzt sitze ich im Fahrzeug, hier kann ich einigermaßen schreiben. Unsere Unterkunft ist ein beschlagnahmter Tabakspeicher. ......
Ihr könnt mir in einem Blechgefäß ein wenig Seifenpulver schicken. Nicht viel, versteht Ihr, nur von Zeit zu Zeit etwas schicken. Sonst geht es mir unter südlicher Sonne ganz gut, Diese Woche habe ich auch Meerwasser versucht beim Waschen. Ich mache es aber nicht mehr solang es nicht nötig ist. Denn sauber wird man davon nicht, weil Salzwasser keinen Schaum gibt. Ist Alfred schon entlassen? Beim Stadtausgang will ich heute die Gegend etwas  ? ansehen. Hier ? man erst, was man an seiner Heimat hat. So schönen Straßen, Häuser u. Wohnungen wie in Deutschland gibt es wohl nicht mehr. 3 – 4 Straßen sind einigermaßen in Ordnung. Aber trotzdem ist die Adolf-Hitler-Straße in Birkenfeld noch schöner. Die Leute laufen hier zu Lande barfuß. Allerdings in der Stadt nicht gerade. Hier haben sie alle auch die Holzschuhe wie wir zu Hause. Alles ist so schmutzig, gar nicht appetitlich anzusehen. Die Gaststätten sind deshalb für Wehrmachtsangehörige auch verboten. Die Feldpostmarken sind für je 1 Kilo. Jede Marke also nur 1 Kilo. Heute haben wir auch warm geduscht. Das tut gut. Denn von der Eisenbahn her waren wir alle mehr od. weniger stark verschmutzt. Eine Woche nur im Kohlenruß u. wenig Wasser zum Waschen. Aber es geht alles mit Humor. Denn mit Humor kommt uns alles leichter vor. Durch Kroatien hatten wir rechts und links des Bahndamms ziemlich entgleiste Züge u. Maschinen gesehen. Als wir bei Nacht fuhren, mussten alle bewaffnet Wache stehen wegen der Partisanen. Denn da kommt alle 15 – 20 km mal eine Ortschaft vor, als noch nicht mal 1000 Einwohnern. Nun aber genug für heute, denn ich muß noch an Liese schreiben. Was ich Euch schreiben, schreibe ich nur für Euch. Und das was ich Euch hier geschildert habe, könnt Ihr auch ohne Übertreibung glauben.
Liebe Eltern ich grüße Euch herzlich aus der Ferne Euer Sohn Hugo.


Fp. Nr.: 26560A v. 13.6.43 „d“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
mit Briefstempel der Fp. Nr.: (0)4358A = Stab I Schtz. Rgt. 964
Inh.: O. U.: 12.6.43
Liebe Eltern u. Bruder!
Gestern erhielt ich Eure lb. Zeilen. Habt herzlichen Dank dafür. Meine Adresse bleibt nach wie vor 2650A. Gesund bin ich auch, so dass es mir eigentlich an nichts mangelt. Die Hitze jetzt nimmt allerdings fest zu. Dazu kommen auf Fahrt noch die Hitze und Gestank des Motors. Die Temperatur des Tages wird so zwischen 35 und 40 Grad betragen. Des Nachts kühlt es sich kaum ab. Von Liese bekam ich hierher schon zwei Päckchen, was mich sehr freute. Leider ist von dem Großen noch nichts zu sehen. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Am Donnerstag wurde unsere Abteilung von der Propaganda Komp. gefilmt. Unsere Kleidung besteht nur noch aus Schuhen, Strümpfen, Hemd u. kurze Seppelhose. Auf Posten stehen wir mit Tropenhelm. Dann hab ich an Vater noch ein Bitte. Nämlich 2 – 3 Schildchen aus Messingblech mit ein wenig Draht. Das Schildchen ist als Anhänger an meinen Rucksack gedacht, welcher sich beim Troß befindet. Er soll etwa so aussehen:


Inhalt:   O. U. 18.6.43
Meine lb. Eltern u. Bruder!
.... Vor kurzem habe ich auch 1 Pfund frische Kirschen gekauft um 1000 Drachmen. Das sind nach deutschem Geld etwas mehr als 3 Mark. Aber was wollen wir schon anfangen mit unserem Geld. Und etwas für den Magen kann nicht schaden. Von der Reise, auf welcher wir zumeist kalt verpflegt wurden, dazu noch die Hitze, zum Durst Stillen immer wieder nur der Kaffee od. Wasser, mußte ich mich erbrechen. Der Schnaps von Onkel Karl, den ich mir bis heute aufgespart habe, kam mir dabei sehr zu nutzen. Und wenn ich mal Seekrank werden sollte, wird er mir auch wieder zugutekommen. Spare in der Zeit so hast Du in der Not, so heißt ein altes Sprichwort. Denn die Selbsthilfe ist immer noch die einfachste.
....
Hugo



Fp. Nr.: 26560E v. 27.6.43
Inh.: O. U. 23.6.43
Meine lb. Eltern!
Gestern habe ich Liese von meinem neuen, nun für die nächste Zeit wohl endgültigen Platz ausgeschrieben. Die Schilderung, die ich ihr gemacht habe, möchte ich hier nicht noch mal wiederholen.
Heut nun bin ich für Euch da. Ich bin nun schon den 3. Tag hier auf unserem Eiland. Die Zeit verfliegt nur so. Der Dienst ist zum aushalten u. wird weitgehend der Sonne angepasst, das heißt der Hitze. Morgens ist um 4 Uhr wecken. Von 5 – 10 Uhr ist Dienst. Von 10 – 16 Uhr Bettruhe u. dann noch mal von 16 – 18 Uhr Dienst. Meine Urlaubsreise vollzog ich auf italienischen Kriegsschiffen. Im Großen also über den Balkan nach Athen. Dem Hafen Piräus bei Athen, mit dem Schiff hierher. Wo – das darf ich Euch nicht schreiben. Lediglich auf italienischem Boden, auf vorgeschobenem Posten im Mittelmeer. Die Überfahrt bestand ich wieder erwarten ohne Seekrank zu werden. Einige haben über Bord ihren Magen entleert. Das Wasser war wunderbar blau. Sonst geht es mir gut, was ich auch von Euch erhoffe. Was macht Alfred? Bis Euch nun dieser Brief erreicht u. ich wieder Post erhalte, derweil wird viel geschehen könne. Monate werden da vergehen. Ich kann Euch ganz gut als bei der Arbeit sehen, auf Eurem Weg, zu Hause im Garten u. am Sonntag. In Gedanken bin ich oft in der
Küche am Sonntagmorgen wie der Braten duftet. Jetzt ist alles Illusion geworden. Aber gerade für diese Ideale sind wir ausgezogen zu kämpfen. Denn über unser schönes Deutsches Land ist nichts gewachsen. Die schöne Landschaft, unser Schwarzwald, unsere Häuser u. Straßen, kurzum unsere Heimat.
Ich habe nun schon manches Volk gestreift, aber nie etwas gleichwertiges entdecken
können. Nun noch etwas anderes. Liese wollte ich gestern ein Blümlein schicken
u. habe es ganz vergessen in der Eile reinzustecken. Gebt es ihr bitte. Dann noch eine
Bitte. Vielleicht könnt Ihr mir auch eine Zeitung oder eine Illustrierte senden, damit ich
hier nicht ganz verhungere? Und außerdem gibt es Klosettpapier. Heute hab ich
meine allerletzte Reserve aus Deutschland, ja sogar noch von Karlsbrück her, verzehrt.
Und zwar die Blockschokolade die mir Liese einmal gesandt hat, von´s Köhnein´s. Sie hat mit
jetzt umso mehr geschmeckt, weil sie eben kostbar geworden ist. Nun liebe Eltern u. Alfred,
 grüßt Euch weit übers Meer;
Euer dankbarer Sohn Hugo.



Fp. Nr.: 26560A u. E v. 1.7.43 „i“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
mit Briefstempel der Fp. Nr.: (0)4358A = Stab I Schtz. Rgt. 964
Inh.: Mittwoch, O. U. 30.6.43
Liebe Eltern u. Bruder!
Am Montag, den 28. Bekam ich Euren lb. Brief vom 18. d. Monats. Habt herzlichen Dank für die lb. Zeilen, ist es doch auch für die Front eine Beruhigung, wenn man weiß es ist alles gesund u. alles steht noch u. ist beim Alten geblieben. Alfred wünsche ich allerdings, dass er noch ein paar vergnügte Tage gehabt hat, od. noch hat? Man weiß doch nie wo es einen hintreibt, der Kriegsschauplatz ist eben so groß. Dann ist es doch gut, wenn man eine gute Erinnerung hat an die man gern denkt u. auch mal gern davon spricht. Hier bei uns gibt es kein Kino, kein Theater, kein Radio, überhaupt keine wohltuenden Klänge. Aber wir wollen deshalb nicht murren, es kann vielleicht eine Zeit kommen, wo wir dann sagen, wenn es nur so wäre, od. geblieben wäre. Daß Alfred die Schildchen selbstgemacht, wird mich dann noch mal freuen, ich danke ihm gleich dafür.  Will nun sehen, wie es ihm vollends ergeht u. wo es ihn hinhaut. Am Montag hat ein Major, Eichenlaubträger, von der Ostfront, welcher sich auf einer Rundreise zu Soldaten spricht, zu uns gesprochen. Er sagte auch verschiedenes über die Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet. Wir wollen immer wieder Gott um seine Gnade bitten, zu sehen, u. dem Vernichtungswillen unserer Feinde, gegenüber der Zivilbevölkerung, Einhalt zu gebieten. ....
Die Karte, die ich Liese sandte u. später auch Euch, konnte ich nicht früher wegschicken, weil der Name Saloniki draufstand. Erst als ich wußte, es geht weiter, konnte ich es tun, denn bis zur Ankunft des Bildes waren wir ja schon weg. Das Bild war in 10 Minuten fix und fertig, entwickelt, alles. Pudding kann ich schon gebrauchen, aber nicht so, dass Ihr ihn Euch abspart. Ein wenig Füllertinte könnt Ihr mir auch schicken, ich denke in so einem Dr. Dr. Otterbastöl – Gläschen, denn so viel will ich nicht, es versperrt bloß allen Platz. Ab u. zu ist  es eben fast unumgänglich, ohne Tinte. Nun will ich so langsam schließen. Mit dieser Post schicke ich 2 Päckchen weg, nur damit Ihr Kenntnis davon habt, allerdings an Liese. Sonst geht es mir gut. Ich hatte etwa 10 Tage Durchfall aber nun ist´s wieder gut. Fast alle hatten od. haben die Scheißerei. Von wo das kommt, weiß niemand. .............
Hugo

Fp. Nr.: 26560A v. 16.7.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
mit Briefstempel der Fp. Nr.: 30919 = schw. Pz. Jäg. Kp. 999 an seinen Bruder Alfred bei
2. Ers. u. Ausb. Batl. 4 in Horb
Inh.: Donnerstag, O. U. 15. Juli 1943
Mein lieber Bruder Alfred!
Du wirst wohl schon gedacht haben, der Hugo lässt gar nichts von sich hören od. hat er mich dann vergessen.
Vergessen habe ich dich nicht, das glaub mir, ich bin oft bei Dir auf dem Kasernenhof. ....
Weißt, es sind nun schon beinah 4 Wochen, dass wir hier sind, und da geschieht manches.
Als H. Z. kommen wir vom Stab zur Komp., von der Komp. wieder zum Stab, u. nun sollen wir einzeln abgestellt werden, ganz verstreut auf unserem flachen Lande.
Dazu haben wir über 1 Woche geschanzt für unsere Fahrzeuge u. Zeltplätze, fast den ganzen Tag über, bei sengender Sonne, ohne kaum Mittag gehabt zu haben. Die Sonne geht um 4 Uhr morgens auf u. geht abends um 7 Uhr unter. Liese soll Dir mal schreiben, wo sich Dein Bruderherz umhertreibt. Da hatte ich nun kaum Zeit zum Schreiben, nicht mal für meine Liese. Aber jeden Tag kam Post, so dass ich jetzt einen ganzen Berg Post zu erledigen habe. Etwa 13 Briefe waren es v. Liese, 6 – 7 von den Eltern od. Dir, dann noch 1 Brief von Dir von zu Hause u. 2. Briefe aus Horb u. einen letzten Gruß aus Wildberg. .........
Nun etwas zu Deiner Waffengattung. Ich weiß nur nicht wie das bei Euch ist, hast Du denn selbst ein Fahrzeug? Oder bekommst Du eins? Je nach dem, das eine will ich Dir jetzt gleich ans Herz legen, wenn Du mit Militärfahrzeugen fährst, langsam fahren, damit Dir nichts passiert. Zum anderen immer nachsehen, ob alles in Ordnung ist, u. dass das Fahrzeug immer fahrbereit ist. Denn wenn durch Nachlässigkeit sich etwas lockert od. nicht geölt ist u. es passiert Dir dann etwas u. es kann nachgewiesen werden, dass der Fahrer schuld ist, hast Du gleich 3 – 10 Tage Bau. Die werden dann im Wehrpaß eingetragen u. bei Beförderungen od. Auszeichnungen fallen diese Sachen dann alle ins Gewicht. Ich selbst habe schon einige Fälle mitgemacht, ich warne Dich deshalb davor. Aufpassen mit der Kuppelung u. dann schalten! Deine Karte ist ganz nett.  .........
Mit de Sonne bin ich auch gut ausgekommen, sie hat meine Haut ohne Sonnebrand ganz schön braungebrannt. Solltest mich jetzt mal sehen. Sonst gibt es nicht mehr viel neues. Pfist hat mir noch geschrieben, daß Frieder in Afrika vermißt ist, u. Binß auf einer Insel im Kanal liegt. König in Rußland am Donez, Heinz Lehrer ist durch Lungenschuß schwer verwundet. Ferner sei Bullinger schon 2-mal in Urlaub gewesen, natürlich immer im Geschäft, u. jedes Mal war der Wilhelm verreist. Und jetzt der Abschuß, Kingale, (?) wurde Feldwebel, einen solchen Schlamper zum Feldwebel machen, das versteh ich nicht. Hier hat eben auch mal wieder die große Schnauze u. Dummheit gesiegt. .....
Hugo


Inhalt:   Dienstag. O. U. 13.7.43
Meine lieben Eltern!
... In letzter Zeit hatten wir Feldarbeiten, den ganzen Tag von morgens früh bis abends spät, ohne große Mittagspause, teils nur 1 Stunde. Das ist nun soweit vorüber. Der Soldat gewöhnt sich an alles. Nun kommt unser eigentlicher Einsatz. Deshalb konnte ich Euch nicht schreiben, mit ? u. Not als an Liese eine Karte. In folgender Reihenfolge kam Eure Post bei mir an: Am 2.7.  1 Brief vom 13.6.; am 5.7.  1 Brief v. 28.6. ; am 9.7.  1 Br. V. 21.6.  u. am 13.7.  je 1 Brief v. 25.6. u. 5.7. Ihr seht wie ungleich die Post ankommt.  ......

Fp. Nr.: 26560A v. 23.7.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
mit Briefstempel der Fp. Nr.: 30919 = schw. Pz. Jäg. Kp. 999
Inh.: O. U.  22.7.43
Meine lieben Eltern!
Gestern erreichten mich 3 kl. Päckchen von Euch, habt herzlichen Dank dafür. Die Schildchen sind in Ordnung .....
Hugo

Inhalt:   O. U.: Juli 1943 Sonntag
Meine lieben Eltern!
.. Den Zucker hab ich auch schon aufgebraucht. Was meint Ihr wie? Da hab ich Trauben abgezupft u, im Kochgeschirr eingezuckert. Heut hab ich mir auch Pfirsiche gekauft, genau
so groß wie unsere zu Haus. Zum Frühstück gab´s heut morgen Kakao. Alle 3 - Tage gibst es Nachtisch, wenn´s auch nicht viel ist, Pudding, Apfelkompott, od. Mischobst. Dann gibt es Griesbrei, Reissippe mit Tomaten usw. im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. –
Sonst gibt es noch zu berichten. Wir hatten schon einige Mal Alarm als die Engländer mit seinen 2000 Schiffen von Zypern nach Sizilien fuhr. Wir müssen eben immer auf der Hut sein, falls er es versuchen sollte. Wir sind alle gespannt wie das mit Sizilien endet. Wenn nur das übrige Italien verschont bleibt. Ich glaube der Krieg erreicht langsam doch seinen Höhepunkt. Wollen wir das Beste hoffen u. Gott bitten, diesem Blutvergießen ein Ende zu machen. Sonst geht es mir soweit gut u. hoffe das selbst von Euch. ....
Hugo


Inhalt:   O. U. 31.Juli 1943
Meine lieben Eltern!
......
Eine Frage hast Du mir gestellt, lb. Mutter, in diesem Brief, die schwer zu beantworten ist. „Ob ich meine, von hier einmal zum heiraten heim zu dürfen?“
Ich habe eben erst, dass selbe Thema, Liese klarzumachen versucht. Silzilien´s Kriegsschauplatz wirkt sich bis zu uns aus. Vor Jahresende rechne ich nicht mir Urlaub, wenn nichts dazwischenkommt.  Wenn ich früher fahren dürfte dann ist´s ja umso besser. Eben schrieb ich Liese, sie solle mal die Vorbereitungen für eine Ferntrauung treffen. Sollte ich bis dahin heim dürfen, dann ist´s ja recht. Denn die Lage, wie sie anscheinend zu Hause ist, verträgt nun doch keinen Aufschub mehr, u. bei mir heißt´s auch besser ist besser od. sicher ist sicher. Wie alles werden soll, wollen wir Gott allein anheimstellen, denn er nur kann alles zu einem guten Ende führen. .........
Hugo.
Auch viele Grüße an Alfred!
Ich befinde mich wirklich auf Spähtruppfahrt, d. h. wir haben etliche zig km., von unserem einstigen Platz, am Meer Stellung bezogen.
Damit, wenn er Tommy landen sollte, wir das gleich melden können. Braucht aber keine Sorgen haben. Es geht mir gut, was ich auch von Euch hoffe.
Hugo

Inhalt:   O.U., 15. August 43 Sonntag
Meine lieben Eltern!
......
Inzwischen sind wir schon wieder 1 Woche beim Nachr. Zug. Ein Befehl hat uns frühzeitig vom Spähtrupp zurückgerufen. Die ganze Woche haben wir wieder einmal gebuddelt für unsere Fahrzeuge. Nun eine Beschäftigung müssen wir ja haben.
Liebe Eltern, für 3 kleine Päckchen muß ich mich auch noch bedanken. Es ist alles gut angekommen, u. Tinte hab ich jetzt auch wieder. Was ich immer bloß für Wünsche habe; ein groß Teil kann man ja hier noch bekommen. Aber die Tinte, das ist nur gefärbtes Wasser.
...  In unserer Abteilung sind schon 2 Todesfälle durch Malaria – Tropika eingetreten. Das ist die schwerste der 3 vorkommenden Malaria – Krankheiten. Ein Oberleutnant ist so schwer krank, dass er nicht mal transportfähig ist. Mit Gottes gnädiger Hilfe u. Beistand geht es mir aber alle Tage gut. Und das wünsche ich Euch auch in der Zukunft.
Liebe Eltern, diese Woche hat sich auch die Urlaubsfrage entschieden. Allerdings nicht wie wir alle im geheimen gehofft haben. Urlaub wird keiner gewährt, nur bei Todesfall od. Bombenschaden, kann, je nach Lage der Dinge, Urlaub gewährt werden. Für uns kommt augenblicklich nur Fronttrauung in Frage. Liese hat mir aber schon wiederholt geschrieben, dass wir keine Frontrauung machen. Ich selbst bin auch nicht dafür. Ich wäre nur bereit dieses zu tun, wenn dadurch in Bezug auf Möbel u. Wohnung, ein Vorteil für uns entstünde, was uns beim Verzögern schaden könnte. Wie das nun ist kann ich allein von hier aus nicht beurteilen.
Urlaub kann ich sofort bekommen, wenn Erholungsurlaub gewährt wird. Dies kann es vielleicht schon ab Oktober geben od. aber auch erst nächstes Jahr, das weiß man eben nicht.
Ich hoffe nun einstweilen die Papiere alle ?, dann können wir immer noch schnell entscheiden, wie wir es machen wollen.
Alfred hat mir aus Frankreich auch schon eine Karte gesandt. Ist doch immer noch besser als irgendwo im ehemalige Polen.  ....... Hugo

Fp. Nr.: 26560A v. 22.8.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
mit Briefstempel der Fp. Nr.: 04358A = Stab I Schtz. Rgt. 964
Kurzer Gruß an die Eltern.

Inhalt:   O.U., 4.9.43 Sonntag
Meine lieben Eltern!
........ In den letzen Tagen, od. sind schon Wochen daraus geworden, haben wir wieder jeden Tag geschippt. Zunächst für unsere Fahrzeuge und jetzt für unser Winterquartier.
Wir sollen richtige Häuser bekommen. Allerdings nicht auf ebenen Boden aufgebaut, sondern eine Art „doof unter Tag“.  ...............
Von Kampfhandlungen sind wir bis jetzt verschont geblieben. Nachdem der Kampf auf Sizilien beendet ist, geht es jetzt von neuem auf dem Festland weiter. Wir wollen nur sehen, ob jetzt nicht der Engländer eins auf ´s Haupt kriegt. Denn jetzt haben ja wir feste Nachschubverbindungen. So langsam kommen die Namen der in Gefangenschaft geratenen heraus. Diese leben wenigstens noch, immer noch besser wie gefallen. ......
Hugo

Inhalt:   O.U., 8. Sept. 43 Mittwoch

Meine lb. Eltern!
.....
Liese bin ich auch schon 4 Tage einen Brief schuldig. Ich glaube die Augen gingen Euch über, wenn Ihr sehen würdet unter was für Umständen wir jetzt hausen.
........
Zwei Tage regnet es schon, nicht dauernd, nur so 4 Stunden etwa am Tage. Aber mit Kübeln.
Das dumme an der Sache ist nur, dass wir kein Dach über dem Kopf hatten. Der Regen überraschte uns ganz. Der Regen sollte erst Wochen später einsetzen. Wir hoffen aber, dass es wieder aufhört u. wir noch ein paar schöne Wochen haben, damit wir unser festes Quartier bekommen. ...
Hugo


Fp. Nr.: 26560A u. E v. 22.9.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
Inh.: O.U. 20.9.43
Meine lb. Eltern!
.......
Nun sind wir wieder erneut dabei uns Zeltplätze zu bauen. Hier muß bestimmt noch ein Orden für Schanzen geschaffen werden. ....
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 01.10.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Fp. Nr.: 47648D = 3. Kp. Res. MG-Btl. 14 in Frankreich // FPA-K-Nr.: 710 = FPA 614 in
Frankreich / Chaumont
Inh.: O.U. 30.9.43 Donnerstag
Mein lb. Bruder Alfred.
....
Alfred, Du wirst es von zu Hause schon gehört haben, dass wir geheiratet haben. Leider mußte Fronttrauung werden. Mit Urlaub ist es im Moment auch wieder aus. Weißt wir müssen nun eben immer gegenwärtig sein, dass der Tommi uns besuchen will.
Und um ihn richtig zu empfangen muß halt alles auf seinem Posten bleiben. Wir stehen zurzeit Tag u. Nacht auf Empfang (Funkverbindung). Das ist an sich kein anstrengender Dienst. Nachts eben das viele Wachen. Die Italiener sind bei uns alle entwaffnet. Wenn Du nicht so schnell nach Rußland musst, sei nur froh. Nutze die Zeit noch aus u. tu Dir gutes so lange es geht. ......
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 3.10.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Fp. Nr.: 47648D = 3. Kp. Res. MG-Btl. 14 in Frankreich // FPA-K-Nr.: 710 = FPA 614 in
Frankreich / Chaumont
Inhalt:   O.U., 1.10.43
Lieber Alfred!
.......
Bei uns ist das nicht so üppig mit Obst. Du musst verstehen, dass wir im Süden liegen u. es hier 6 – 8 Monate überhaupt nicht regnet. Die Wein- u. Obstfelder werden hier künstlich bewässert. Große Windräder pumpen rings der Küste lang das Meeresgrundwasser empor u. bewässern die Felder. ........
Hugo

Inh.:   Sonntag O. U. 9.10.43
Liebe Eltern!
.... Bei uns gibt es die unterschiedlichsten Krankheiten. Am meisten treten Verwundungen auf. Wenn sich von diesen Leuten einer eine Wunde zuzieht, dann sickert das Tage und Wochenlang, bis es wieder heilt. Dann gibt es noch Fälle von Malaria und Diphtherie. Von allen diesen Sachen bin ich mit Gottes Hilfe bis heute verschont geblieben.  ...
Hugo

Inhalt:   O. U., 12.10.43 Dienstag
Meine lieben Eltern!
... , die Sonne hat nicht mehr die Kraft wie im Juni u. Juli. Aber sie scheint immer noch. Der Winter wird hier nicht so schön. Da braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Bei uns gibt es keinen Schnee, es regnet nur. Allerdings in einer Form die man bei ns zu Hause nur mit einem Wolkenbruch vergleichen kann. Es regnet hier wochenlang und tagelang. Dazwischen kommt natürlich auch wieder die Sonne durch. Also keine Sorge vor dem Winter.  ..
Mir selbst geht es soweit gut. Vergangene Woche hatte ich 2-mal hohes Fieber. Das zweite Mal so hoch, dass ich beinahe fantasiert hätte. Mit aller Kraft u. Energie aber kam es nicht dazu. Pa? Fieber nennt sich das. Nun aber geht es mir wieder besser u. Hoffe bald wieder meinen Dienst tun zu können. Die Kameraden müssen nämlich umso mehr Dienst machen. Jeder Mann wird wirklich gebraucht, weil so viele krank sind....
Euer Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 19.10.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
Inh.: Montag O.U.,  18.10.43
Meine lieben Eltern!
Nach langer Pause brachten uns unsere Kameraden zur Luft wieder Post. 1 Brief v. 3.10. u. 1 Päckchen haben mich heute Morgen erreicht. .....
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 19.10.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Fp. Nr.: 47648D = 3. Kp. Res. MG-Btl. 14 in Frankreich // FPA-K-Nr.: 710 = FPA 614 in
Frankreich / Chaumont
Inh.: O.U. , 18.10.43
Mein lb. Bruder Alfred!
...............
Für die vielen Glückwünsche zu meiner H. mein besonderer Dank. Ich hätte ja selbst einmal nie geglaubt, dass meine Hochzeit auf diese Art und Weise vonstatten geht. Aber ich bin überaus dankbar, dass alles nun so gut ging, ja sogar glücklich bin ich in Gedanken an meine liebe, tapfere Frau. Das ist wohl unser aller Wunsch in Urlaub zu fahren, um einmal alles wieder sehen zu dürfen. Ich bin aber schon sehr genügsam geworden in diesem Punkt. Alles nehme ich aus Gottes hand u. bin dankbar für jeden Tag an dem ich gesund aufwachen darf. Für Deine Karte nochmals meinen Dank. ......
Auch bei mir geht es wieder besser, das Fieber ist weg, ich fühle mich aber nur noch schwach auf den Füßen. Am Samstag war ein heftiges Erdbeben bei uns, so eins habe ich noch nie mitgemacht.  ....
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 21.10.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Fp. Nr.: 47648D = 3. Kp. Res. MG-Btl. 14 in Frankreich // FPA-K-Nr.: 710 = FPA 614 in
Frankreich / Chaumont
Inh.: O. U., 20.10.43
Mein lieber Alfred!
....
Schippen tun wir wirklich nicht mehr so viel, dazu haben wir einige Italiener bekommen. Wir machen die meiste Zeit Di-ta-tu-tüt. Jetzt war ich 14 Tage im Revier, ich denke, dass ich morgen wieder rauskomme. ....
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 03.11.43 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Fp. Nr.: 47648D = 3. Kp. Res. MG-Btl. 14 in Frankreich // FPA-K-Nr.: 710 = FPA 614 in
Frankreich / Chaumont
Inh.: O.U. 2. Nov. 43 Dienstag
Mein lieber Alfred!
...
Am Sonntag gab es bei uns Marketenderware, und was meinst was?  Pro Mann etwa 300 – 400 gr. Schokolade, Streichhölzer u. 4 Mann zusammen eine Flasche Rum.
Natürlich alles italienische Ware.  ..
Hugo

Inh.:   O. U.,  1.11.43 Sonntag auf Montagnacht
Meine lieben Eltern!
....  Mir geht es soweit wieder ganz ordentlich, kann zufrieden sein, dass ich keine Malaria hatte. Erst vor ein paar Tagen sollen einige Kameraden wieder daran gestorben sein.
.....
Bei uns hier werden zurzeit die Olivenfrüchte geerntet, aus denen das bekannte Olivenöl entsteht. Hier ist das Öl das die Zivilbevölkerung verwendet, nicht raffiniert. Die Bevölkerung lebt eben ganz primitiv, primitiv nicht nach unserem Sinn, denn das was wir so nennen, kann sich immer noch sehen lassen. Darüber aber einmal später mündlich.
...
Hugo

Inh.: O. U., 4.11.43
Liebe Eltern!
Am Vorabend von Vaters Geburtstag soll ein kleiner Gruß an Euch zu Papier. Ich habe heute Nachtwache u. da ist Gelegenheit dafür vorhanden.  ..
Bei mir ist alles in bester Ordnung, bin gesund u. sonst fehlt mir auch nichts. Bei elektrischem Licht schreibe ich heute, könnt Ihr Euch das vorstellen? In meinem Holzhaus, recht heimlich anmutend, klein aber fein, es gehört unseren 3 Feldwebeln vom Nachr. Zug. Mit einem zusammen habe ich heute u. morgen Telefonwache als O. v. Abt. Radio ist auch vorhanden, tadellose Musik kommt eben. So kann man es aushalten. Das ist die schöne Seite vom Militär. Die Kehrseite sieht etwa so aus von heute Abend, dabei war Schuhappell,  .. Schuhe aus, Strümpfe aus, Füße vorzeigen. In solchen Dingen gibt´s auch, aber wenn man sich u. seine Kleidung in Schuß hat, kann einem so was nichts anhaben.
Heute haben auch wir unser Zelt verlassen u. einen festen Holzbau mit Fußboden bezogen. So langsam nehmen wir wieder europäische Sitten an. ? es ist wenigstens während der Regenzeit ein besserer Schutz. ......
Hugo

Inh.: Samstag O. U., 13.11.43
Lieben Eltern!
.... Herzlichen Dank für Euer liebes Paket, welches mich hier erreicht hat. Am Montag schon hab ich es erhalten. Die guten Brötchen hab ich schon verzehrt, sowie die Spaghetti mit der Zwiebel u. der Soße. Hat alles fein geschmeckt. Man sollte eben nur mehr Zeit haben für die „Brutzelei“. Den Pudding werde ich zum Teil heute od. morgen machen. Also nochmals meinen besten Dank. Zwiebeln, lb. Mutter, wachsen auch bei uns, desgleichen Kartoffeln. Nur kostet 1 kg. Kartoffeln 2.10 RM nach deutschem Geld. Ja nun, an Geld mangelt es uns ja nicht.
Auf Weihnachten wollte ich Euch eine Kleinigkeit schenken, aber da kam über Nacht Paketsperre. Nur noch Briefe bis zu 20 gr. werden befördert. An was das liegt, wird wohl nicht schwer sein zu erraten. Die Munition u. die Verpflegung haben eben hier das Vorrecht. Die Paketsperre gilt natürlich nur für uns, nicht für Euch. Hoffen wir nun mal, dass nach Weihnachten die Sache wieder anders ist.
Das sind ja an sich kleinliche Dinge, nur dass sie eben die einzige Verbindung zwischen Front u. Heimat darstellen. Hauptsache ist u. bleibt, dass wir uns gesund wieder sehen.
Langsam aber sicher kommen auch wir nun der Regenzeit näher. Noch hat sie nicht richtig eingesetzt. Nur dass es schon merklich kühler ist ....
Hugo

Inh.: O. U., 21.12.43
Meine lb. Eltern!
Von einem neuen Ort aus schreibe ich Euch heute. Das Weihnachtsfest muß od. darf ich im Lazarett verbringen, sogar im Bett. Braucht Euch aber keine Sorgen zu machen, es geht mir schon wieder besser. Eine dicke Diphtherie hat mich .versetzt. Also keine Sorge, es geht schon wieder besser. ....
Lb. Mutter du willst Auskunft wegen Läusen haben, ja das hat schon manchen Kampf gekostet gehabt. Aber alles erst seit wir in den ital. Stellungen drin waren. Jetzt ist es aber weg. Einige Flöhe hüpfen noch in der Gegend. Läuse sind nur bei 3 Mann mit je 1 Laus festgestellt worden.........
 Hugo

Inh.: O. U., 28.12.43
Meine lieben Eltern!
.. Wir Ihr vielleicht von Liese gehört habt, habe ich das Weihnachtsfest im Lazarett zugebracht. Es geht mir aber schon wieder ganz gut u. hoffe bis in 14 Tagen wieder entlassen zu sein. Eine dicke Diphtherie hatte es mir diesmal angetan gehabt.
...
Fp. Nr.: 26560A v. 2.1.44 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Sturm-Gesch.-Ers. u. Ausb. Btl. 200 in Schweinfurt
Inh.: O. U., 1.1.44
Lieber Alfred!
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Gestern hat zum Abschluß nochmals unser Christbaum gebrannt u. ein Chor brachte uns wieder Lieder zu Gehör. Glühwein gab`s auch zum trinken, so dass wir nicht ganz trocken saßen.......
Hugo

Fp. Nr.: 26560A u. E v. 30.1.44 „c“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
Inh.: O. U., 28. Januar 44
Meine lieben Eltern!
....
Gestern war es nunmehr schon ein Jahr her, dass ich zur feldgrauen Truppe übergetreten bin. Später allerdings zur Afrika – Truppe. Ein Jahr, was alles ist geschehen in dieser Zeitspanne?
....Wir haben zur Zeit einen Dienst, Exerzieren, Geländeausbildung, Appelle usw. noch schlimmer wie als Rekrut. ........
Hier bei uns ist es nicht so leicht Fahrer zu sein, denn wenn es am Wagen was kaputt geht, dann gibt’s gleich „ich bestrafe Sie wegen dem und dem mit so u. so viel Tagen ? Haft.“
Vor Weihnachten war ich drauf und dran auch den Führerschein für Panzer zu machen, aber dann kam das Lazarett dazwischen. Wer weiß für was alles gut ist.
Dann habe ich noch etwas Erfreuliches zu erzählen. Jede Woche haben wir nun einmal Baden. Ein sogenanntes „Saunabad“. Zuerst Dampf u. dann heiße u. kalte Dusche. Das ist unsere schönste Stunde in der Woche, ein anständiges Bad. ......
Hugo

Fp. Nr.: 26560A v. 29.2.44 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Sturm-Gesch.-Ers. u. Ausb. Btl. 200 in Schweinfurt
Inh.: O. U., 27. Februar 44
Mein lb. Bruder Alfred!
...
Am 20.2. ist ein Truppkamerad an Paratyphus verstorben. Eine sehr gefährliche Krankheit. So gibt es auch Ausfälle ohne Kampfhandlungen. Bei uns ist es nun schon Frühling geworden.
....
Hugo

Fp. Nr.: 26560A v. 12.3.44 „b“ = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
an Sturm-Gesch.-Ers. u. Ausb. Btl. 200 in Schweinfurt
le. Vorhandene Brief   F – H  ohne besondere Information an den Bruder Alfred.

Pforzheim v. 11.9.44
An Hugo Schrade Fp. Nr.: 26560A = Stab Pz. Aufkl. Abt. 99 / U.: Sturmdivision Rhodos
Briefstempelabschlag der Einheit / Zurück Vermerk / in rot: Zurück! Gefallen für Großdeutschland.

Todesanzeige v. 10.12.1944

HW33175
« Letzte Änderung: 27. Oktober 2023, 22:10:55 von hw33175 »

 

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