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Autor Thema: H-F L51313S v.1.-20.8.44 nach La Rochelle/Briefstempel Rücksendung 9.-18.10.44  (Gelesen 1571 mal)

Offline hw33175

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Hallo!
Hier die Feldpostbriefe des Fliegers E.L., 18 Jahre, aus Frankreich zur Zeit der Invasion.

Vom 15.7.44 bis 04.8.44 Normstempel mit UB: „Bb“ schrieb er unter der Fp. Nr.: L 51313 S LGPA Paris = Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII / La Rochelle.
Er befand sich in der Zeit bei seiner Einheit: L 49060A Lg. Pa. Paris (Stab IV Fl. Rgt. 90 / St. Jean d´Angely ca. 70 Straßenkilometer von La Rochelle entfernt.)
Am 23.8.44 befand er sich in Angoleme auf dem Rückmarsch nach Deutschland.

Die H-F Briefe an ihn mit Absendedatum v. 1.8.44 bis 20.8.44 an die Fp. Nr.: L 51313 –S- LGPA Paris = Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII –La Rochelle- erreichten ihn nicht mehr und dürften, da sie fast alle den Briefstempel der Fp. Nr.: L 51313 tragen auch dort in La Rochelle bei der Feldpoststelle angekommen sein. Die Rücksendevermerke datieren v. 9.-18.10.44.
Ich nehme an, daß diese H-F Briefe in der Festungszeit nach dem 25.8.1944 gelagert und später dann zurück geschickt wurden. Zumindest die letzten Briefe dürften in der Festungszeit angekommen sein.


Fp. Nr.: L 52741 B LGPA Paris v. 2.5.-31.5.44 = Stab II Fl. Rgt. 91 aus Orleans.

V. 6.6.44 „b“ mit Inhalt: Frankreich, den v. 3.6.44
… Montag, 5.6. morgens ist Besichtigung. Hoffentlich klappt alles. Versetzung wahrscheinlich diese Woche. ..
V. 11.6.44 „b“ mit Inhalt: Im Westen, den 6.6.44
Liebe Eltern!
Heute an dem Tage, der für unser Volk vielleicht so viel bedeutet, will ich ein paar Zeilen an Euch richten. Die Nachricht von der Invasion packt einen doch irgendwie, denn jeder spürt doch, daß hiermit der Krieg wieder einmal ein ganz anderes Gesicht bekommt. Wollen wir hoffen, daß das Ende des Krieges dadurch wesentlich näher heran gerückt ist und bald wieder ein neues Leben beginnen kann.
Die langersehnte Besichtigung wurde heute wegen  Flg. Alarm auf Samstag verschoben. Dafür sind wir nun um ½ 5 Uhr aufgestanden. Alle Appelle waren umsonst. Nun die nächsten 4 Tage werden auch noch vorübergehen.
Für die Zeitungen … meinen herzl. Dank. …
Eben ist es furchtbar am regnen. ..
Um mich braucht Ihr Euch auch jetzt keine Sorgen zu machen. Wir sind leider ja noch Zuschauer, als so junge Spunde. Vielleicht komme ich ja wieder der nächsten Zeit nach Deutschland….

Fp. Nr.: L 33720 K LGPA Paris v. 10.6.44 „b“ = Fl. H. Kdtr. E (v) 204/XII in Chartres.
Im Westen, 9.6.44
.. Wenn ich nicht falsch Tippe, so habt Ihr etwas länger als sonst nichts von mir gehört, oder ist der Brief vom 6.6. doch angekommen. Mir geht es Gott sei es gedankt, noch gut. Wir hatten gestern etwas mehr mit dem Kameraden von der anderen Feldpost No. zu tun. Unsern Chef und einige gute Kameraden hat es gestern Vormittag leider erwischt. Wir sind jetzt soweit total bombenbeschädigt, daß wir O. verlassen haben und uns in einer anderen Gegend niedergelassen haben. Ich habe glücklicherweise mit allen meinen Sachen Schwein gehabt. Heute sind wir mit 30 Kameraden nochmals umgezogen. Wir sind in einem schönen Ort. Rekruten sind wir auch nicht mehr. Es geht uns also schon wesentlich besser. Wenn uns die Invasion nicht dazwischen kam, wären wir wahrscheinlich schon in Deutschland. Lange werden wir sowieso nicht mehr hier bleiben.
Zu irgendwelchen Sorgen eurerseits ist wirklich kein Grund vorhanden. Ich bin ja jetzt in einer anderen Landschaft. Etwas Glück muß man eben immer haben. Daß dieses mich nicht verläßt, davon bin ich überzeugt, und wir wollen es auch hoffen.
Mit der Invasion haben wir ja hier weiter nichts zu tun. Hoffen wir, daß sich der Engländer dabei das Genick bricht.
Leider bekamen wir in letzter Zeit keine Post mehr. …..
Jetzt haben wir wieder eine neue No. und ich weiß gar nicht wie lange die Post nun gehen wird, und ob ich hier überhaupt noch welche bekomme. Es ist ja doch möglich, daß wir länger hier bleiben……

V. 15.6.44 „b“ mit Inhalt: Frankreich, den 13.6.44
… Heute kommen die ersten Kameraden von hier wieder nach O. um von dort nach Deutschland zu fahren. …

Fp. Nr.: L 52741 B LGPA Paris v. 20.6.44 „b“ = Stab II Fl. Rgt. 91
Frankreich, den 19.6.44
…Heute müsste man eigentlich vor der Feldpost den Haut abnehmen. Ich habe nämlich heute bereits den Brief erhalten. den Papa mir vor 3 Tagen geschrieben hat (16.). Wie das die Post schafft, kann ich einfach nicht verstehen. …
Heute haben wir hier zum letzten Mal Wache geschoben. Morgen Nacht soll´s dann wieder zur Komp. gehen. Bei Tage ist man auf der Straße nicht so ganz sicher, deshalb stehlen wir uns mit unseren LKW bei Nacht weg. Die Komp. liegt glaub´ ich noch im Zeltlager. Wenn das der Fall ist, hoffe ich, daß es aufhört zu regnen. Es ist heute schon den ganzen Tag dran…..
Was sagt Ihr zur Vergeltung? Ist doch knorke, was? Hoffentlich haut es richtig hin, daß wir dem Siege ein Stück näher kommen. Als wir die ersten Nachrichten davon hörten, waren wir doch gespannt, wie noch nie. Drüben muß es furchtbar sein. Bei ähnlichen Apparaten habe ich auch schon mal gewacht (Dörflein). ….

V. 26.6.44 „b“ mit Inhalt: O.U. 25.6.44
.. Gestern sind wir nun doch wieder umgezogen. In unser altes Heim konnten wir ja nicht mehr, so sind wir jetzt in ein Schloß (Landhaus) gezogen. Man kann es nämlich eigentlich mit unseren Schlössern nicht vergleichen. Im Vergleich zu den Kasernen ist es jedoch ein Paradies. …
Unsere Versetzung verschiebt sich vorläufig noch. Sie wird wahrscheinlich wegen Transportschwierigkeiten nicht möglich sein. …

V. 3.7.44 „b“ mit Inhalt: O.U. 29.6.44
..Man spricht davon, daß wir nach Südfrankreich kommen sollen. …

Fp. Nr.: L 52741 B LGPA Paris v. 10.7.44 „b“ = Stab II Fl. Rgt. 91 mit Fp. Nr.: 47054 D =3. Kp. SS-Felders. Btl. 17 / U.: 17. SS-Pz. Gren. Div. „Götz von Berlichingen“ / 7. Armee
Chatellerault, 8.7.44 (ca. 25 km nördl. Portiers)
..Wenn ich auch weiß, daß ich den Brief wahrscheinlich noch einige Zeit mit mir führen muß, so will ich Euch doch trotzdem einmal schreiben.
Wir sind nun tatsächlich seit Dienstag unterwegs. Die Fahrt verläuft ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir fahren immer Etappenweise von Stadt zur anderen. Müssen dann jedesmal warten bis uns wieder einer mitnimmt. Wir können aber stolz darauf sein in 4 Tagen 200 km hinter uns gebracht zu haben. Mir gefällt diese Fahrerei ausgezeichnet. Man lernt wenigstens auf diese Weise Frankreich ein wenig mehr kennen. Von den Schlachtfeldern Karl Martells haben wir das eine von vorgestern bis heute als Heimstätte gehabt. Das andere soll unser nächstes Ziel sein. Wir kommen wahrscheinlich erst morgen oder übermorgen dorthin. Von dort bis nach St. Jean d´Angely sind ja noch einige zig km .. …
Wir sind heute mal zur Abwechslung bei der SS zu Gast. Wir lieben eben die Abwechslung. Wer weiß, was wir morgen wieder für ein Heim haben.
 Wie gesagt sollen wir bei der nächsten Dienststelle auch nur 4 Wochen zur weiteren Ausbildung an schw. Waffen bleiben.
Ob das nun wieder eine Latrinenparole ist, weiß natürlich niemand. Vorerst sind wir froh, dem alten Haufen entronnen zu sein. Uns kann ja nichts mehr erschüttern. Wir sind für unsere künftigen Funktionen ja schon eingeteilt, also denken wir nun, daß wir doch so langsam aufhören Infanterist zu spielen. Es ist nicht damit gesagt, daß mir diese Waffengattung mißfällt, aber man möchte doch endlich dorthin kommen wo man hin soll…..
Ich bekomme jetzt natürlich wieder eine neue Fp. No. ….

Fp. Nr.: L 51313 S LGPA Paris v. 15.7.44 „Bb“ = Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII / La Rochelle
O.U. 12.7.44
..Möchte Euch nur mitteilen, daß ich gut hier angekommen bin und will Euch meine Anschrift mitteilen:
L 51313 S Lg. Pa. Paris.
Wir genießen hier friedensmäßige Ausbildung. Was das ist könnt Ihr Euch denken. Immer noch Infanterist. Mit Post soll es schlecht sein. …

V. 15.7.44 „Bb“ mit Inhalt: O.U. den 13.7.44
…Heute will ich nun einmal etwas ausführlicher schreiben. Wir sind also nach einwöchentlicher Fahrt gestern eingetrudelt. Die Reise ging mit LKWs, Omnibussen u. einer Kleinbahn vor sich. Mich hat die ganze Sache, wie ich schon schrieb, sehr erfreut. Man liebt eben die Abwechslung.
Nun bin ich hier wieder da gelandet, wo ich die Ehre hatte von Aug. bis Febr. Zu sein. Ob es von Vorteil für mich war wird sich noch herausstellen. An und für sich ist hier ungefähr derselbe Betrieb, wie er bei uns im Schloß auch war. Es kamen mir doch irgendwie komische Gefühle als ich heute die guten, alten Spritzen wieder sah. Dadurch, daß ich nun wieder dabei bin, werde ich wohl noch einige Wochen hier verbringen müssen. Dieses wäre wohl auch sowieso geschehen. Nach Worten des Spießes wird hier noch „Friedensausbildung“ betrieben. (Bettenbau, Spindordnung usw.) Man lernt eben anscheinend doch nie aus.
Im Übrigen herrscht hier große Hitze. Die Wache trägt Tropenhelm. Wir müssen auch ziemlich früh aufstehen. (Um 4,5 oder 5 Uhr) Zapfenstreich ist dem zu Folge schon 21 Uhr.
Was hier nun das Beste ist, ist die Verpflegung. Eine solche Bombenkost habe ich sonst nirgendwo  bis jetzt erlebt.
Heute ist für unsere Komp. Feiertag. Der Chef hat nämlich Geburtstag. Es ist deshalb heute bzw. morgen (für mich) Ausgang. Es existiert hier ein Soldatenheim, wo ich gestern sehr, sehr gut essen konnte und ein Soldatenkaffee in dem es Kuchen markenfrei geben soll. Diese beiden werden nun die Ziele meines nächsten Ausgangs sein.
Sonst muß man sich erst mal wieder eingewöhnen und die Sache rollen lassen, wie sie rollt. Es soll außerordentlich streng hergehen, so daß man immer schon mit einem Fuß im Bau steht. Zu 4-7 Tagen kommt man sehr schnell. Vorläufig werde ich erst einmal versuchen, ohne diesen auszukommen. Ich glaube, ich muß noch ein neues Blatt anfangen. Also Forts. auf Blatt 2.
Nun muß ich Euch noch übermeine Adresse informieren. Ich habe nämlich eine hauptamtliche, die für uns eigentlich gültig ist. Sie hat den Nachteil nur alle Woche bis 3 Wochen zu kommen.
Sie lautet:
L 49060A Lg. Pa. Paris (Stab IV Fl. Rgt. 90 / Ber. La Rochelle / St. Jean d´Angely)
Dazu kommt die nebenamtliche, die täglich kommen und gehen soll u. daher für uns nur in Frage kommt. Diese lautet:
L 51313 S Lg. Pa. Paris (Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII / La Rochelle)

 (Anmerkung:
Von La Rochelle bis St. Jean d`Angely sind es rund 70 Straßenkilometer.)

Das Postgeld schickt Ihr wahrscheinlich besser an die erste Anschrift. Hoffentlich wird es von den beiden vorigen Malen noch nachgeschickt. In den nächsten 3 Wochen brauch ich ja überhaupt nicht mit Post zu rechnen.

O.U., den 14.7.44
...Will Euch heute wieder einmal kurz schreiben. Ein Kamerad wird nach Deutschland versetzt und soll die Post mitnehmen. Ob sie schneller läuft, bezweifle ich noch, aber man kann alles ja einmal versuchen….
Wo ich hier stecke, werdet Ihr ja wissen (St. Jean d´Angely ca. 150 km nördlich Bordeaux)
Man kann es hier schon aushalten, solange man nichts mit Terroristen u. einer neuen Invasion zu tun hat. Der Dienst geht unverändert weiter. Noch einmal an meine alte Waffe gekommen zu sein macht mir natürlich auch Freude, wenn es auch eine schlechte Seite hat, daß man mich vielleicht deshalb hier länger hält. Ich hoffe ja nicht bei die Flak zu kommen. Es ist hier nur innerhalb unserer Komp. man muß eben wieder abwarten, wie die Karre läuft. Hier ist es ziemlich warm. Die Wache geht mit Tropenhelm. …

V. 22.7.44 „Bb“ mit Inhalt: O.U., den 20.7.44

V. 27.7.44 „Bb“ mit Inhalt: O.U., den 24.7.44
..Heute ist es sehr schwül. Wir sind daher etwas müder, als sonst; besonders auch weil wir in der letzten Nacht Exerzieren hatten. In der kommenden nacht ist wieder dasselbe.
Es gibt hier sonst nichts Neues.
Als wir vom Attentat auf den Führer hörten, waren wir doch sehr betroffen. Wir sind in der Nacht aufgestanden und haben uns im Gemeinschaftsempfang die Reden angehört. Wie ich aus dem Wehrmachtsbericht sah, ist Wetzlar ja nun am 20. auch angegriffen worden. Wie wird das schöne Städtchen und unsere alten Stellungen aussehen? Die Hunde wirken augenblicklich im Reichsgebiet ja wieder toll. Wenn der Kram doch mal aufhörte. Ich will hoffen, daß Ihr doch immer meine Post erhalten habt. Nach hier wird sie ja auch noch mal kommen. …..

V. 31.7.44 „Bb“ mit Inhalt: O.U. Soldatenheim, den 30.7.44, 20 Uhr.
…Wir haben heute Morgen MG-Schießen gehabt….
Gestern sind wir in eine andere Baracke gezogen. Leider ist die Stube nicht ganz so gemütlich, wie wir sie hatten. Es liegt auch teils daran, daß sie neben der Führerbaracke liegt und das ist immer stark bedrückend. Heute Morgen hatte ich einen schönen Erfolg. Ich konnte nämlich als erster eine Wanze erlegen. In anderen Stuben hausen sie schlimm. Wir haben bis jetzt fast noch Glück damit gehabt.
Nun muß ich Euch noch was ungeheuer Wichtiges mitteilen, was auch schon 2 Tage ?. Ich habe nämlich vorgestern 20 x Post bekommen, ….. , der letzte Brief ist vom 12.7. …..

V. 04.8.44 „Bb“ mit Inhalt: O.U., den 2.8.44
.. Heute, als ich als Flugmelder Posten stand, brachte mir ein Kamerad Euren lb. Brief v. 23.7. u. den beiden IB´s der Siegener Zeitung Erscheinungszeit von 24. bzw. 25.7.
Natürlich bin ich sehr freudig überrascht über die doch verhältnismäßig gute Verbindung für die Zeilen u. den Inhalt meinen herzl. Dank.
Im Augenblick ist es hier mal wieder sehr heiß. In der Sonne kann man es kaum aushalten. Zu unserem Geschütz ziehen wir nur noch mit Badehosen u. ?.
Gestern haben wir Rekruten bekommen. Sie haben vor 4 Wochen erst die Heimat verlassen.
Wir hoffen nun in unserem schw. Zug, daß unser Art Stammpersonal; denn der Spieß hat uns ja verheißen, daß wir 3 Monate noch mindestens hier bleiben. Wenn es so bleibt, wie es ist, halte ich es noch so lange aus. ..
3.8.44
Postgeld könnt Ihr auch ruhig an L 51313 S schicken. Ein Kamerad bekam es schon vom 17.7. abgeschickt. Verbindung also einfach prima. Unsere Feuertaufe haben wir hier gestern von einer Moskito wieder einmal bekommen. Wir haben ihr Treffer in den Flächen angebracht, darauf ist sie verschwunden. Eine Baracke hat sie uns durch Beschuß zum Abbrennen gekriegt. Morgen wollen wir schießen mit der 2 cm im Gelände. Das hat mal wieder schwer hin…

Fp. Nr.: L 49060 A LGPA Paris v. 25.8.44 mit Tarnstempel (26H0019) Verw.: Mainz = Stab IV Fl. Rgt. 90 und Briefstempel: Fl. H. Kdtr. A Mainz-Finthen
Inhalt: Angoleme, den 23.8.44
.. Ihr werdet schon auf Post warten. Ja wir haben keine Gelegenheit mehr welche abzuschicken oder zu empfangen. Heute wurden von hier Ln. Helf. Pro Flugzeug nach Hause geschickt. Wir versuchen deshalb unseren Gruß mitzugeben. Wir selbst sind noch auf Fahrt nach Deutschl.? Sie wird wohl noch einige Wochen dauern. Mit alten LKWs ist das so´ne Sache. Wir sind auch alle wohlauf. Also um Gottes Willen keine Beunruhigung, auch wenn die Post ausbleibt. Den letzten Tag machen wir hier noch Appelle u. Exerzieren (Appell tägl. 2 x). Wie wir darüber denken ist ja verständlich.

Kaiserslautern v. 12.9.44
Briefstempel: Verwaltung d. Lw. Kaiserslautern
Abs.: (18) Kaiserslautern, Flakkaserne Dulag
Kaiserslautern, 11.9.44
.. Uns hat man jetzt in ein Durchgangslager der Luftwaffe festgehalten. Wenn wir nicht ein ganz unverschämtes Glück haben, werden sie zur „Königin der Waffen“ umgeschrieben. Einige Herren sollen sich für uns einsetzen, daß es nicht geschieht. ..
Die Kameraden von der Flak u. Ln-Truppe werden morgen Infanteristen. …
Nun will ich Euch etwas von der Fahrt erzählen. Am 29. Aug. war es endlich soweit, daß sich unser Batl. in Bewegung setzte. Die Fahrt ging sehr langsam von sich, besonders für uns, weil wir mit unserer 2 cm die Schlußsicherung machen mußten. Die reparierten französischen Wagen liefen natürlich nicht wie ein Opel-Blitz. So kam es, daß alle 500 mtr. Ein Wagen stehen blieb. Angenehm war es keinesfalls immer allein in der Gegend zu stehen. Das Batl. hat dann bei Portiers wieder gesammelt, um sich einer ID anzuschließen. Am 31. gings dann nachts weiter. Als es Tag wurde erschienen die ersten Tiefflieger, ca. 10 Stück. Wir standen gerade günstig mit den meisten Wagen und so blieb uns der größte Teil erhalten. Nachmittags sind wir mit unserem Wagen dann zu einer Stelle, wo die Straße verstopft war. Einige Kolonnen standen vor uns. Weitere saßen auch von hinten noch fest. Was soll ich weiter erzählen.
Natürlich erschienen in dem Moment wieder die Kammeraden. ¾ Std. haben sie uns zur Sau gemacht. Der Erfolg war, daß wir zu Fuß weiter gehen mußten. Abends trafen wir auf weitere Komp. Kameraden und schließl. auch unseren Mun. Wagen. Diesen haben wir noch entladen (?) Feuerwerk gemacht. Diese gute, alte Karre nahm uns auf und hat uns dann nachts Stück für Stück in die Heimat gebracht. Es gab natürlich noch viele Ereignisse, aber es würde zu weit führen alles zu erzählen. Erwähnen muß ich nur noch, daß wir durch Dijon brausten u. morgens der Tommy dort war. Ihr seht, wie Gott mich beschützt hat und durch alle Gefahren glücklich nach dem schönen Heimatlande zurückgeleitete. ……

Fp. Nr.: 08172 v. 12.10.44 (26H) = 10. (Fla.) Kp. Pz. Gren. Rgt. 111 / U.: 11. Pz. Div. / 5. Pz. Armee /
Saarpfalz ( Duss / Dieuze) / Abs.: Grenadier
O.U.., den 9.10.44
…Wir sind mal wieder abmarschbereit, deshalb schreibe ich auch heute noch. Wer weiß, wann man sonst wieder dazu kommt. ..
Nun bin ich schon eine Woche beim neuen Haufen. So allerhand hat man schon erlebt, so daß mir die Zeit wie ein halbes Jahr vorkommt.  Euch nun  alles zu schreiben würde zu weit führen. …
Heute haben wir wieder mal „Ruhe“ gehabt. Das Regiment sorgte für Abwechslung in Form einer Musikkapelle. Durch die Schlager u. etwas leichtete Musik kam man für Minuten noch mal auf andere Gedanken. Für Augenblicke konnte  in Patt´s Saal zu sitzen. Ja, schön wär´s doch. Das Essen ist hier gut wie noch nie. Weißbrot u. ganze dicke Leberwurst kann man hier so kaufen. Ich weiß nichts mehr zu schreiben …

V. 14.10.44 „f“ ohne Inhalt.

Fp. Brief Heimat –Front:
Erndtebrück v. 12.10.44 an Fp. Nr.: 48909 –O- = Felders. Btl. 119 der 11. Pz. Div. –gestrichen-
Weiterleitung an Fp. Nr.: 08172 = 10. (Fla.) Kp. Pz. Gren. Rgt. 111 / U.: 11. Pz. Div. –gestrichen-
Vermerke: Nicht Zustellbar / an Absender zurück und handschriftlich: Empfänger vermißt.

Der letzte an den Gren. E.L. gerichtete Brief ist v. 9.11.44 mit gleichem Zurück Vermerk und der FPA-K-Nr.: 433 = FPA 61 der 11. Pz. Div.
Die Briefe enthalten teilweise Zeitungen und Illustrierte, die passend für die Umschläge beschnitten wurden.

Es folgt der Inhalt eines Feldpostbriefes des Komp. Führers, Leutnant Wulf.
Fritz Wulf, Lt.  Im Felde, den 23.12.1944
08172
Sehr geehrter Herr L.!
Durch meinen Brief teile ich Ihnen mit, daß Ihr Sohn, der Pz. Gren. E.L. seit dem 23.10.1944 bei Xousse von der Kp. vermißt wird. Er hat sich seit einem Nachtangriff in einem Waldgelände nicht mehr bei der Kp. gemeldet. Alle Nachforschungen waren bisher ohne Ergebnis. Sollte über den Verbleib Ihres Sohnes etwas bekannt werden, erhalten Sie sofort Nachricht. Sie wollen sich ebenfalls mit dem zuständigen Fürsorgeoffizier in Verbindung setzen.
In der Hoffnung, Ihnen recht bald günstigere Nachricht geben zu können, grüße ich Sie herzlich und bleibe ergebenst Ihr
Fr. W. / Lt. u. Kp. Führer
(Anmerkung: mit Xousse dürfte wohl Dieuze, ca. 30 km nord/westl. Saarburg gemeint sein)
W.B. Entschuldigen Sie höflichst mein Schreiben mit Blei. Ich entbehre seit einiger Zeit sämtl. Schreibartikel. Ihr W.

Am 18.1.45 richtet der Vater des E.L. erneut einen Brief an den Leutnant Wulf mit gleicher Fp. Nr.
Er bedankt sich für den Brief v. 23.12.44 und Bittet um Information über die 8 verschiedenen Einheiten, in denen sein 18 j. Sohn in den 7 Monaten Soldatenzeit gewesen ist.

Dieser Brief erreichte den Leutnant nicht. Er kam mit Vermerk zurück.


Bezüglich der Fp. Nr.: L 51313 –S- LGPA Paris = Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII –La Rochelle-
liegen an den Soldaten E. L. Heimat – Front Briefe v. 1.8.44 – 20.8.44 aus Erndtebrück vor, die fast alle mit passend geschnittenen Zeitungen gefüllt sind und folgende Vermerke tragen:

1.8.44
Fp. Nr. in –rot- gestrichen
Briefstempel in –rot- Truppendienststelle L 51313 LGPA Paris Nr. 15
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 9.10.1944
Eingangsvermerk der Eltern: 15/11

3.8.44
Fp. Nr. in –rot- gestrichen
Briefstempel in –rot- Truppendienststelle L 51313 LGPA Paris Nr. 15
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 9.10.1944
Eingangsvermerk der Eltern: 16/11

8.8.44
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle /Fp. Nr. nicht lesbar/ LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944
Eingangsvermerk der Eltern: 14/11

11.8.44
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle Fp. Nr. L51313 LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

14.8.44
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle /Fp. Nr. 313 lesbar/ LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

14.8.44 von der NSDAP Amt für Volkswohlfahrt (21) Ortsgruppe Erndtebrück
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle /Fp. Nr. nicht lesbar/ LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

15.8.44 von der NSDAP Amt für Volkswohlfahrt (21) Ortsgruppe Erndtebrück
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle /Fp. Nr. nicht lesbar/ LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

15.8.44
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

20.8.44
Fp. Nr. in –blau- gestrichen
Briefstempel in –rot- Dienststelle L 51313 LGPA Paris
Z2 in –rot-: Zurück an Absender / Neue Anschrift abwarten!
Datumsstempel: 18.10.1944

HW33175

« Letzte Änderung: 14. Mai 2016, 09:55:16 von hw33175 »

Offline Meyer Werner

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1.-20.8.44 nach La Rochelle/Briefstempel Rücksendung 9.-18.10.44
« Antwort #1 am: 13. Mai 2016, 22:36:53 »
Hallo hw33175,

Wie immer eine tolle Ausarbeitung. Vielen Dank dafür.

Gruß
Werner

Offline fp123

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Geschichte der deutschen Feldpost (1938 -1945) .....was mir gefällt.

Offline Moschus

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Hallo Heinrich,
da kann ich dem Werner und Hans nur zustimmen!

Wieder einmal eine prächtige Ausarbeitung!

                                          Gruß,  Hans

Offline name301

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Hallo,

ich weiss nicht , ob es so wirklich herausgekommen ist:

die Briefe an die L 51313 S LGPA Paris = Fl. H. Kdtr. (E) 233/XII / La Rochelle.
gingen in die Festung La Rochelle, bekamen einen Briefstempel mit Datum vom Oktober 1944 und wurden wieder zurückgesendet.
Sie waren also in der Festung und sind deshalb äusserst selten. Aufgrund des Briefstempelabschlags auch noch etwas für das Handbuch.
Absolut tolle Belege die Du da gezeigt hast.

Viele grüße
name301 
Fliegende Einheiten, Stalingrad, Kessel, Zensur, Feldpost aus 45

Offline leger_de

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Da kann ich mich nur meinen Vorrednern anschließen! Die Retourbriefe sind wirklich außerordentlich selten.
Und natürlich mal wieder eine hervorragende Ausarbeitung.
Beste Grüße
Leger_de
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