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Autor Thema: geflogene luftfeldpost aus danzig  (Gelesen 6186 mal)

Offline Manfred

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Re: geflogene luftfeldpost aus danzig
« Antwort #15 am: 28. November 2020, 19:58:17 »
Der Beleg hier ist zwar keine Feldpost, aber was meint Ihr zum sehr späten Stempeldatum 21. März 1945?

Von einer Beförderung gehe ich nicht aus oder was denkt Ihr?

Danke für Eure Meinung.

Grüsse

Offline Bodo35

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Re: geflogene luftfeldpost aus danzig
« Antwort #16 am: 28. November 2020, 20:17:48 »
Sehr schöner später Beleg. Da hier auch schon Belege vom 20.03.45 vorgestellt wurden, denke ich schon, dass eine Beförderung noch möglich gewesen war.

Gruß Bodo35
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Offline Bodo35

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Re: geflogene luftfeldpost aus danzig
« Antwort #17 am: 17. Dezember 2020, 14:50:22 »
Hier habe ich noch drei Belege erwerben können von einem Flüchtling aus Elbing an seine Frau und Tochter geschrieben. Diese Inhalte spiegeln sehr gut die Lage in Danzig und die Flucht aus dem Osten wieder. Hier ist dann auch ersichtlich, dass eine Zivile Postbeförderung am ende nur noch durch die Luftpost möglich war. Zwei der drei Briefe sind auch mit Stempel Berlin SW 11 abgeschlagen. Also erst am Zielflughafen gestempelt worden.

Danzig, d. 22.2.45

Mein liebes Muttichen und liebes Hildchen!
Heute war Hl. Schrade bei mir und gab mir den Brief von dir zum Lesen. Derselbe ist lange gegangen. Hoffentlich geht es Euch beiden einigermaßen gut. Ich bin vorläufig bei Schmischke. Aber Danzig muss ebenfalls von den Flüchtlingen geräumt werden. Wo man mich Kranken Mann dann hinschicken wird, weiß ich nicht. Die Auguste hatte außer mir noch ständig 2 bis 3 andere Flüchtlinge. Sodaß es recht ungemütlich in der kleinen Wohnung ist. Gelebt haben wir von den Karten. Das weitere Kannst du dir ja denken, die Reichwälder waren ebenfalls 4 Tage als Flüchtlinge bei uns.
Die haben auch alles stehen und liegen lassen müssen. Wir haben alle viel geweint. Unser schönes Elbing ist ein Trümmerhaufen und von den Russen besetzt. Auch unsere Vorstadt soll ganz Zerschossen sein. Denn in Elbing waren schwere Artilleriekämpfe. Es ist gut dass wir gleich fortfuhren, denn die Russen sollen mit der weiblichen Jugend schrecklich umgegangen sein. Von Kämmersdorf habe ich nichts erfahren können. In Danzig hatten wir einmal einen großen Fliegerangriff. Es gab hunderte Tote. Ob wir uns noch einmal sehen werden ist fraglich. Es werden noch schwere Kämpfe kommen. Gesundheitlich geht es mir nicht gut. Ich muss wieder viel aushalten. Von der Auguste und Eugen soll
vielmals grüßen. Auch von den Reichwäldern die fahren heute mit dem Wagen weiter. Von der Fürsorge holte ich mir einen Hut, 1 Unterhose und 1 Hemd. Tue das gleiche. Was macht den Hildemaus? Wahrscheinlich werden sie die auch noch einziehen. Schlaft ihr in Betten? Danzig ist ganz überschwemmt mit Flüchtlingen. Das Wetter ist jetzt immer ganz gut. Wenn ich im Bett liege sind mir viel die Tränen üb er die Wangen gelaufen. Liebes Muttichen und Hilde, lebt ganz in Gott. Damit wir in der Ewigkeit zusammen sein können. Dieses ist meine letzte und innige Bitte. In Danzig werden stündlich, da die Russen immer näher heran rücken Fliegerangriffe erwartet. Einmal mussten wir nachts 3 mal heraus.
Nun seid beide vielmals gegrüßt und geküsst von eurem Papa

 Danzig 16.3. 1945
Liebe gute Anna und liebes gutes Hildechen
Heute habe ich Eure 4 Briefe auf einmal bekommen und daraus ersehen, dass Ihr noch lebt. Den Reichswälder haben die Russen auf der Flucht 1 Pferd erschossen. Sie kamen mit 1 Pferd hierher und brachten nichts mit. Nur etwas Schmalz, das sie auf die Reise mitnahmen. Ringe, Uhren u.s.w. nahmen ihnen die Russen ab. Von unserem Haus habe ich nichts erfahren. Aber ganze Straßenteile in Elbing sind Vernichtet. Die Urkunden der Hilde nahm mir die Hilde weg. Auch mein schönes Taschenmesser hat Sie mir nicht zurückgegeben. Ich habe hier ein Postsparbuch mit 400 RM angelegt. Falls Ihr das haben wollt, schicke ich es in 3 Luftpostbriefen getrennt. Andere Postsendungen gibt es nicht. Die Sendung ist ein Risiko, aber Ihr müsst doch etwas haben. Die Mutti tat so, wenn sie viel Geld zur Reise mitgenommen hätte. Auch der Hilde hätte sie Geld gegeben zur Aussteuer. Um unser Haus u.s.w. hauptsächlich um den Neuaufbau desselben, falls wir den Krieg gewinnen sollten, werde ich mich wegen meines Leidens wohl nicht mehr bekümmern können. Vor kurzem wurde ich des Nachts um 12 Uhr mittels Wagen ins Krankenhaus gefahren. Wegen Darmverschlingungsverdachts wurde ich überwiesen. Es war aber nur Darmlähmung und Krämpfe, mit sehr großen Schmerzen. Die Kosten zahlte das Wohlfahrtsamt (5 Tage). Hier sind sehr viele Elbinger. Die Frau Hirsch erzählte mir, dass ihr Vater Andre auf der Flucht verstorben ist. Wir hätten aus Elbing mehr aus der Wirtschaft mitnehmen können. Der Oberingenieur Nehs hat einen ganzen Handschlitten voll Sachen nach Tiegenhof gezogen. Von da mit der Bahn nach Danzig. Er lässt grüßen. Die Hilde hätte ihre Urkunden, gute Sachen, Honig und Eingemachtes aufladen sollen. Falls Elbing zurückerobert werden sollte, werden noch die letzten Häuser zerstört werden…. Nun wünsche ich euch beiden, meine Lieben, weiter gute Gesundheit. Bleibt bloß dort in dem Quartier. Schreibt mir bald ob Ihr noch da seid und ob Ihr das Postscheckbuch haben wollt. Es grüßt und küsst euch vielmals Papa.
Randnotiez: Hier sind große Kämpe und täglich viele Tote, das Postsparbuch trägt die Nr. 14857882, beim Tod kannst du Auszahlung verlangen.


Danzig, den 17.3.45
Liebes Muttileinchen!
Gestern schickte ich an euch einen Brief durch die Luftpost. Jetzt fällt mir ein, dass ich noch einiges vergessen habe zu schreiben. Die Minna hängt nicht mehr so am Leben. Die wird aus Kämmersdorf mit dem alten nicht mehr weggefahren sein. Vielleicht ist sie sogar schon tot. Die Ebersbacher sollen alle übers Haff gefahren sein. Auf diesem haben sie die Tiefflieger sehr beschossen. Hunderte von Menschen und Pferden sollen erschossen worden sein. Der Otto in Kämmersdorf hält solche weite Reise nicht mehr aus. Der Dr. Hartwig in Elbing hat sich erschossen. Der …. und Frau erhängt. Danzig wird täglich von Fliegern und schwerer Artillerie beschossen. Es gibt immer Tote. Rings um  Danzig tobt die Schlacht. Wir sind eingeschlossen. Ich würde schon zufrieden sein, wenn ich in Kämmersdorf in einer Rate mein Leben aushauchen dürfte. Es wird bald eine schreckliche Hungersnot eintreten.  Die Ostpreußen sind vom Feind besetzt und die Wintersaaten zertreten und zerstoßen. Ich dachte immer ihr seid bei einem Bauern untergebracht. Danzig wimmelt voll Elbinger. Heute traf ich den Fuger aus der Lessingstraße. Von Bileiki wusste er nichts. Gebt mir man bald durch die Luftpost Nachricht. Viele Herzliche Grüße an dich und Hilde
Papa


Gruß
Bodo35
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Offline Manfred

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Re: geflogene luftfeldpost aus danzig
« Antwort #18 am: 17. Dezember 2020, 17:10:38 »
Hallo Bodo35

Sehr eindrucksvoll. Danke für‘s Aufschreiben.
Solche Briefe werden bald die einzige und letzte authentische Quelle sein, welche von den Schrecken dieser Zeit unmittelbar erzählen.

Grüsse
Manfred
« Letzte Änderung: 17. Dezember 2020, 17:12:33 von Manfred »

 

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